Bericht 21. August 2025
Austauschprojekt in Kroatien - Abschlussbericht
Im Sommer 2025 haben neun Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Pulsnitz ein ganz besonderes Projekt umgesetzt: Für drei Wochen ging es nach Labin in Istrien, wo wir gemeinsam mit der Berufsfeuerwehr (JVP Labin) im Schichtdienst gearbeitet haben. Ziel war es, Erfahrungen auszutauschen, voneinander zu lernen und die Kameradschaft über Ländergrenzen hinweg zu pflegen.
Schon die rund 1.000 Kilometer lange Anreise mit unserem Kommandowagen und einigen Privatfahrzeugen war ein Erlebnis für sich - und spätestens bei der Ankunft in der Wache in Labin merkten wir, dass wir hier nicht einfach nur Gäste sind, sondern Teil einer großen Feuerwehrfamilie. Die kroatischen Kameraden hatten Schlafplätze vorbereitet, für ein umfangreiches Programm gesorgt und gleich am ersten Abend einen gemeinsamen Grillabend organisiert.
Gemeinsam im Einsatzalltag
Während unseres Aufenthaltes wurden wir voll in den Schichtbetrieb eingebunden. Von 7 bis 19 Uhr waren wir jeden zweiten Tag in den Dienst integriert. Insgesamt 15 Einsätze standen für uns auf dem Programm. Das meiste war tatsächlich eine Vielzahl von Insekteneinsätzen. Hornissen stellen in der Region gerade ein großes Problem dar, hier muss die Feuerwehr tätig werden. Daneben waren aber auch Einsätze dabei, die uns vertrauter vorkamen: ein PKW-Brand, ein Schornsteinbrand, ein Verkehrsunfall, ein Feldbrand und ein Schuppenbrand mussten abgearbeitet werden. Der Höhepunkt war jedoch ein großer Waldbrand im Nachbarlandkreis Pula. Hier rückten wir mit einer gemischten Einheit aus, bestehend aus einem Pickup, auf dem unsere Kameraden Platz fanden, sowie einem Waldbrandfahrzeug der JVP Labin. Gemeinsam bildeten beide Fahrzeuge eine taktische Einheit. Unsere Aufgabe war die Restablöschung sowie das Eingrenzen der Brandfläche, um eine Ausbreitung in den noch unversehrten Wald zu verhindern. Besonders beeindruckend war der Einsatz von Löschflugzeugen, die über dem Brandgebiet Wasser abwarfen. Einige von uns erlebten dies zum ersten Mal in ihrem Feuerwehrleben.
Die Einsätze haben uns viele neue Eindrücke vermittelt. Vor allem hat uns beeindruckt, wie viel die kroatischen Feuerwehrleute mit vergleichsweise wenig Personal leisten können. Dabei sind sie äußerst pragmatisch, packen an, wo es nötig ist, und verlassen sich stark auf ihren Teamgeist. Gleichzeitig wurde uns deutlich, dass unsere in Deutschland manchmal als übertrieben empfundenen Vorschriften durchaus ihre Berechtigung haben: gerade, wenn es um Sicherheit und standardisierte Abläufe geht. Spannend war auch ein Blick auf die Technik: Einige Ausrüstungsgegenstände, die wir in Kroatien kennengelernt haben, könnten in Zukunft vielleicht auch bei uns interessant sein.
Praktische Ausbildung und neue Erfahrungen
Neben den Einsätzen spielte auch die Ausbildung eine große Rolle. An schichtfreien Tagen stand vormittags Theorie auf dem Plan, während wir in den Schichten die dazugehörigen Praxisteile trainierten. So lernten wir den kroatischen Fuhrpark im Detail kennen, beschäftigten uns mit Ausrüstung und Taktiken für das Arbeiten in unwegsamem, schwer zugänglichem Gelände und erhielten spannende Einblicke in die Höhen- und Tiefenrettung. Gerade diese Kombination aus Theorie und Praxis sorgte dafür, dass wir das Gelernte sofort anwenden und vergleichen konnten – eine wertvolle Erfahrung, die uns fachlich weitergebracht hat. Höhepunkt der Ausbildung war eine Einsatzübung im Ortsteil Rabac, wo wir mit Booten an eine nur vom Meer aus zugängliche Stelle fuhren und dort einen fiktiven Waldbrand bekämpften.
Kameradschaft über Grenzen hinweg
Neben der fachlichen Seite kam auch die Kameradschaft nicht zu kurz. Wir wurden nicht nur während der Dienstzeit herzlich aufgenommen, sondern verbrachten auch viele Abende zusammen. Sei es bei gemeinsamen Essen mit den Familien und Freunden der Kameraden, bei Ausflügen oder beim Besuch von Festen und Veranstaltungen. Auch die Möglichkeit, andere Feuerwachen in der Region zu besichtigen, sorgte für viele neue Eindrücke und Kontakte. Und nicht zuletzt war das Projekt auch für uns Pulsnitzer eine tolle Gelegenheit, den Zusammenhalt innerhalb der eigenen Gruppe zu stärken. Statt sich wie gewohnt nur alle zwei Wochen beim Dienst zu sehen, verbrachten wir nun eine intensive gemeinsame Zeit, die uns als Team enger zusammengeschweißt hat.
Dank an unsere Gastgeber und Unterstützer
Ein besonderer Dank gilt Stefano Salamon, der das Projekt auf kroatischer Seite koordiniert hat, sowie Saša Stepančić, dem Kommandanten der JVP Labin. Sie haben sich weit über das Nötige hinaus für den Austausch engagiert. Ebenso danken wir allen Kameradinnen und Kameraden aus Kroatien, die uns so offen aufgenommen haben und durch ihre Gastfreundschaft viele unvergessliche Momente geschaffen haben. Bedanken möchten wir uns auch bei unserer Wehrleitung in Pulsnitz, bei allen Sponsoren und Spendern, die die Reise möglich gemacht haben, sowie bei allen, die im Hintergrund unterstützt haben.
Unser Beitrag für die Region: Ausrüstung gespendet
Wir selbst konnten im Rahmen unseres Aufenthaltes ebenfalls etwas zurückgeben: Drei freiwillige Feuerwehren der Region, die DVD Kršan, DVD Pićan und DVD Raša, erhielten von uns Helme, die in Pulsnitz außer Dienst gestellt worden waren. Die Dankbarkeit war groß, und für uns war es schön, auf diese Weise einen Beitrag leisten zu können.
Fazit: Ein Gewinn auf allen Ebenen
Am Ende bleibt die Erkenntnis: Das Austauschprojekt war in jeder Hinsicht ein Gewinn: fachlich, kulturell und menschlich. Wir haben viel gelernt, neue Freundschaften geschlossen und wertvolle Erfahrungen gesammelt, die wir in unseren Feuerwehralltag mitnehmen können. Die Partnerschaft mit Labin soll deshalb fortgesetzt werden. Ein Gegenbesuch der kroatischen Kameraden in Pulsnitz wäre ein nächster Schritt, und auch eine erneute Reise nach Labin können wir uns sehr gut vorstellen. Für uns steht fest: Dieses Projekt hat uns bereichert – als Feuerwehr und als Menschen.











































